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Die Geschichte der Stadt Wassenberg

Wasser- und wildreich war das Gebiet der heutigen Stadt Wassenberg vor 8000 Jahren. Funde von Steinwerkzeugen und Urnengräbern weisen auf die frühe Besiedlung schon in der Stein- und Eisenzeit hin.

Teil des römischen Imperiums

Römische Legionen erobern um das Jahr 50 v. Chr. den Niederrhein und Cäsar lässt nach heftigen Kämpfen das von den Eburonen bewohnte Gebiet verwüsten. Römische Veteranen und mit den Römern verbündete Stämme besiedeln das fast menschenleere Land. Münzfunde im Burggelände und alte Flur- und Wegenamen bezeugen dies.
Der Burgberg von Wassenberg war vermutlich Standort einer römischen Wehranlage zur Bewachung der Heerstraße, die von der Eifel zur Maas führte. Die heutige Landstraße 117 zeigt noch heute den Verlauf dieser Heerstraße. In Orsbeck wurden zahlreiche Ziegel, Scherben von Gefäßen und zwei Münzen gefunden, die auf eine römische Siedlung hinweisen.

Die Franken
459 verliert das römische Reich mit dem Fall Kölns die Vorherrschaft am Niederrhein. Die Franken sind jetzt die Herren und verteilen das Land neu. Als bäuerlich organisierte Gesellschaft sind sie an den römischen Bauten nicht interessiert. Diese verfallen, soweit sie nicht wie der Burgberg in Wassenberg als fränkische Befestigungen genutzt werden.

Die Christianisierung in diesem Teil des Frankenlandes erfolgte erst im 7. und 8. Jahrhundert durch iroschottische Mönche von St. Odilienberg.

Bedrohung aus dem Norden
Eine Wikingerflotte taucht 787 erstmals vor den Küsten Englands auf. 100 Jahre später dringen die Wikinger auch ins Karolingerreich ein. 881 errichten Normannen ein festes Lager in der Maas-Schleife bei Asselt und plündern von dort aus auch das Wassenberger Land.
Die Bevölkerung suchte Schutz in den Fliehburgen, auch "Motten" genannt. Der Begriff „Motte“ kommt aus dem französischen und bedeutet „Erdhügel-Burg“. Motten bestanden aus einem Hügel mit einem hölzernen Wohnturm sowie einer Vorburg. Diese waren durch palisadenbewehrte Wälle und oft auch durch Wassergräben geschützt. Bei Birgelen liegt in einem Sumpfgelände die Niederungsmotte „Hoverberg“. Dagegen war der Wassenberger Burgberg eine Hochmotte.
Aus vielen dieser Motten entstanden im Verlauf des Mittelalters steinerne Burganlagen und später Schlösser – andere wurden nicht mehr genutzt und verfielen.

In dieser Zeit entstand vermutlich auch der Name "Wassenberg". Er kann vom althochdeutschen "Waso" - mundartlich auch "Wass" - abgeleitet werden, also "Rasenberg" im "Wassenberger Horst".

Das Mittelalter – ein Hin und Her
Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Wassenberg in den "Klosterrather Annalen". (Klosterrath ist das heutige Rolduc bei Herzogenrath). Kaiser Heinrich II. (1002 - 1024) schenkte 1020 den flandrischen Edelherren Gerhard und Rüdiger von Antoing reichen Landbesitz in Wassenberg und Kleve für geleistete Dienste. Von diesem Geschlecht stammen die Herren von Wassenberg, Heinsberg, Geldern und Krickenbeck ab.
1085 wählte Graf Gerhard die Burg Wassenberg als Wohn- und Dynastensitz. Er gilt auch als Gründer des Wassenberger Georgs-Stiftes und Erbauer der Georgs-Propsteikirche. Die Gründungsurkunde vom 30. September 1118 ist in einer älteren Abschrift noch erhalten. Stift und Kirche bestimmten Jahrhunderte lang die Geschicke der Stadt mit.
Durch die Heirat Jutta von Wassenbergs (1118) kam Wassenberg zum Herzogtum Limburg.

Bergfried


Schlacht um den Kaiserthron
Im Jahre 1206 tobt in der sumpfigen Ruraue vor Wassenberg die Schlacht um den deutschen Kaiserthron zwischen Philipp von Schwaben, dem Sohn Barbarossas und Otto IV. von Braunschweig, dem Sohn Heinrichs des Löwen. Ottos Heer wird geschlagen und Phillips Truppen plündern und verwüsten Wassenberg.
Ende des 13. Jahrhunderts fällt Wassenberg nach der Ritterschlacht von Worringen an das Herzogtum Brabant. Seit 1273 besitzt Wassenberg die Stadtrechte mit eigenem Marktrecht, eigener Gerichtsbarkeit und eigenem Münzrecht.
Heirats-, Erbschafts- und Machtpolitik mit wechselnden Pfandherrschaften - darunter auch die Erzbischöfe von Köln - bestimmten die Geschicke der Stadt und ihrer oft bedrängten Bürger, die fleißige Gewerbetreibende waren. Von den Burgundern, den Habsburgern und den Herzögen von Jülich bis zu den Preußen wechselten die Herren und mit ihnen die Vögte auf Burg Wassenberg.

Ein müdes Haupt
Am 29. August 1543 übernachtet Kaiser Karl V. in der Burg Wassenberg auf seiner Reise nach Venlo zum Abschluss des Geldrischen Erbfolgekrieges. Karl übergibt Wassenberg endgültig an das Herzogtum Jülich. Die Menschen in diesem verwüsteten Land atmen auf. Doch nicht lange.

100 Jahre Krieg
Der Niederrhein ist flach und bietet bis auf die Flüsse keinerlei natürliche Hindernisse für ein großes Heer. Hier ziehen die Armeen auf ihren Märschen von West nach Ost und in umgekehrter Richtung immer wieder durch - töten Mensch und Vieh, plündern und verwüsten das Land. Allein zwischen 1566 und 1659 wird diese Region durch fünf Kriege in Mitleidenschaft gezogen.
Zu jener Zeit war die Stadtmauer 1,2 km lang. Der größte Teil der Stadtmauern, die Burg und die Stadttore, stammen aus dem Jahr 1480, der untere Teil des Roßtors und der Verlorenenturm aus der Zeit um 1365.

Roßtor

 

Wiedertäufer in Wassenberg
Um 1530 ist Wassenberg Mittelpunkt der Wiedertäuferbewegung am Niederrhein. Campanus und Kloprijs, ihre bedeutendsten Führer, wurden durch den Amtmann Werner v. Palant auf der Burg geschützt. Palant musste seinen Dienst quittieren. Ihm ist der Durchbruch zur reformierten evangelischen Gemeinde zu verdanken.

Wassenberg lag in Frankreich
Am 10. August 1792 stürmt die Pariser Bevölkerung die Tuilerien, die Residenz des Königs. Ludwig XVI. wird abgesetzt und mit seiner Familie inhaftiert. Wieder kommt es zum Krieg und die französischen Revolutionsarmeen erobern 1794 auch Wassenberg. Es gehörte bis 1814 zum französischen Roerdepartement. Die 1273 erhaltenen Stadtrechte gingen unter Napoleon verloren.

Ein tiefer Schnitt
Nach der Niederlage Napoleons zog man auf dem Wiener Kongress die Grenzen in Europa neu. Die bis dahin existierende kulturelle und sprachliche Einheit diesseits und jenseits der neuen Grenze wurde abrupt zerrissen. 1815 kommt Wassenberg zum Königreich Preußen und die Stadt verliert die ihr bis dahin zugehörigen Gemeinden Melick, Herkenbosch und Vlodrop.

Während des Kaisereiches
1897 wurde in Wassenberg der Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein gegründet, der wichtige Maßstäbe setzte für die beginnende Naherholung inmitten der schönen Landschaft und der bedeutsamen historischen Wahrzeichen.
Oskar von Forckenbeck (gestorben 1898) schuf mit dem Ausbau des "Judenbruches" zum Naturpark wichtige Grundlagen auch für Wassenberg als Erholungsort. 1937 erwarb die Gemeinde Wassenberg das "Judenbruch" von Privateignern zurück.
Durch den ersten Weltkrieg wurde das Stadtgebiet nicht unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen. Hunger jedoch bestimmte das Leben vieler Menschen in den letzten Kriegsjahren und in der Zeit danach. Die Lage an der Grenze zu den neutralen Niederlanden ermöglichte vielen Menschen sich durch Schmuggel am Leben zu erhalten.

Tausend Jahre?
1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler und in Deutschland entstand die Nazidiktatur. Auch in Wassenberg gab es begeisterte Anhänger und unschuldige Opfer. Am 10. November 1938 wurde die Synagoge eingeäschert und im Verlauf der nächsten Jahre die in Wassenberg lebenden Juden in Konzentrationslager gebracht. Eine von ihnen war das Mädchen Betty Reis. Der Name der Wassenberger Gesamtschule erinnert noch heute an sie und ihre Leidensgenossen.
1938 baute man den Westwall. Versteckt in den Wassenberger Wäldern liegen Reste der gesprengten Bunker. Hier sammelten sich Divisionen der Wehrmacht im April/Mai 1940 vor dem Überfall auf die Niederlande.
1944/45 wurde Wassenberg unmittelbar vom Krieg heimgesucht. Um die Jahreswende stand die Frontlinie drei Monate entlang der Rur. Evakuierung, Bombenangriffe und Artilleriebeschuss bestimmten das Leben der Menschen in den Ortschaften. Während dieser Zeit wurde auch die St. Georgskirche von Bomben zerstört. Sie wurde 1954/56 wieder aufgebaut.

Nach den großen Kriegen
Wiederaufbau und Strukturwandel prägten die Zeit nach dem II. Weltkrieg. Webereien, die lange Zeit die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bedeuteten, stellten ihren Betrieb ab 1970 mehr und mehr ein. Große Arbeitgeber wie der britische Militärflughafen im benachbarten Wegberg und die Steinkohlenzeche „Sophia Jacoba“ in Hückelhoven schlossen ihre Pforten. Kleinere Gewerbebetriebe und Handwerker sind nun das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt Wassenberg.
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung von 1972 bestätigte die Landesregierung NRW am 05. Juni 1973 die Wiederverleihung der Stadtrechte.

 

Heimatverein Wassenberg:
www.heimatverein-wassenberg.de

Der Heimatverein stellt fortlaufend verschiedene Gegenstände in zwei Vitrinen im Rathaus aus. Weitere Informationen zur aktuelllen Ausstellung finden Sie hier.